Monikas Garten

Frau Kröti kam nicht vorbei.

Vergeblich wartete ich auf sie, ein über dreißigjähriges massives Exemplar der stolzen Gattung Schildkröte, das meiner Freundin Monika und ihrem Mann Walter gehört. Monika und Walter wohnen in einem Vorort von Linz, mit Terasse zum Garten, in dem Frau Kröti zwei Landhäuser besitzt, das heißt regensichere Kisten und Kästen, die Monika und Walter liebevoll ausgestattet haben. Das eine Häuschen musste Frau Kröti allerdings zwischenzeitlich aufgeben, weil eine Igel-Familie dort eingezogen war. …. Hier geht es weiter.

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Schutzkreis

Es gibt eine Schreibmethode aus den USA mit einem unaussprechlichen Namen (Propriozeptive Writing), die ich im Deutschen Selbsthören genannt habe. In der geht es darum, der eigenen Stimme zu lauschen und aufzuschreiben, was wir hören. 25 Minuten lang, mit Kerze an, zu Barockmusik (warum, wieso, weshalb ist bei Linda Trichter-Metcalf und Toby Simon nachzulesen – oder in Schreiben zur Selbsthilfe). Auf jeden Fall habe ich bei diesem Schreiben innere Wesen entdeckt, Anteile von mir, die nicht laut sind und die ich nicht höre, wenn ich in der Welt stehe und mich behaupte oder gerade mal wieder einen Schutzkreis ziehe.
Ich bin so dankbar, diese Wesen im Inneren gefunden zu haben, sie bewahren jugendliche Anteile, Kreativität, Verspieltheit, Keckheit. Mein Schutzkreis hat gewirkt, ohne dass ich es wusste. Jetzt, da ich diese Anteile kenne, spreche ich mit ihnen, heute morgen zuletzt, und sie geben mir Tipps oder weisen mich zurecht. Ich kann ihre Meinungen gut annehmen. Sie sind ja meine eigenen und die helfen mir in der Welt da draußen.
Langer Rede kurzer Sinn: Es lohnt sich zu schauen, was wir schon geschützt haben und was überlebt hat – unbemerkt von uns. was uns ausmacht und lebendig hält. Vielleicht findet Ihr Eure Stimme und leisere Anteile, wenn Ihr meine Schreibeinladung für heute annehmt:

25 Minuten Selbsthören: Kerze an, Vivaldi streamen und nach innen lauschen. Dann losschreiben. Immer wieder die eigenen interessanten Sätze hinterfragen: Was meine ich mit …? So kommen wir uns immer mehr auf die Spur.
Nach 25 Minuten Musik aus, ein Fazit ziehen: Was war mein Thema? Was habe ich noch nicht gesagt? Worüber will ich das nächste Mal weiter schreiben? Wie geht es mir nun?
Kerze löschen und ganz bei sich sein.

Danke an Friederike Hermanni für Ihre feine Lyrik und die Anregung.

lyricfactory

Manchmal bin ich schutzlos
dem Eingriff von außen ausgeliefert
da können sie bei mir einmarschieren
die Grenzpfähle achtlos niederreißen
mich zur Beute nehmen
sich an mir weiden

So ist es
wenn ich nicht achtgebe
wenn ich meine Mauern nicht bewache
wenn ich meine Zäune nicht elektrisiere

Es ist meine Verantwortung
Es ist mein Schutzkreis

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Aktueller Hörtipp: Johanna Vedral stellt Collage Writing vor

Im April konntet Ihr Johanna und ihren wunderbaren Collage Writing Ansatz live in Bremen erleben. Jetzt wurde der Wienerin und ihrem Ansatz eine Radio-Sendung gewidmet. Bis Samstag könnt Ihr den lohnenswerten Beitrag noch hören. Viel Freude dabei!

Sendung hören unter folgendem Link (Timecode mit Intro)
http://oe1.ORF.at/player/20180520/513906/213723

Sendung hören unter folgendem Link (Timecode ohneIntro)
http://oe1.ORF.at/player/20180520/513906/214012

Link zum Programmtext
https://oe1.orf.at/programm/20180520/513907

Die Leisen

Ja, so ist es. Die Leisen müssen ihre Sanftheit erst lieben lernen, damit sie ihre Stimme erheben können. Was mich angeht, so habe ich zum Beispiel eine Kollegin, die ich sehr schätze – aber auch fürchte. Um es metaphorisch zu sagen: Sie läuft mit der Axt durch den Wald und setzt sie auch ein, während ich mich unter tiefhängenden Zweigen bücke, um sie nicht abzuknicken, an Blümchen schnuppere, statt sie zu pflücken und Schnecken aufsammle, damit sie nicht zertreten werden. Versteht mich nicht falsch: Ich fühle mich nicht als besserer Mensch, ich bin nur anders in der Welt als meine Kollegin. Sie schafft Tatsachen, wenn ich noch davon träume, einen nächsten Schritt zu tun. Um ihre Axt habe ich sie schon so manches Mal beneidet. Es täte mir sicher gut, manchmal ein bisschen lauter aufzutreten. Schreibend kann ich das üben. Meine lautlosen Worte werden gewichtiger, wenn ich sie auf Papier oder Bildschirm bringe. Vielleicht sind darum so viele Schreibende Mitglieder der leisen Fraktion. Das Laute und das Leise, beides hat seine Berechtigung. Doch nur wer leise ist, hört die Vögel zwitschern. Darum ist leise zu sein, manchmal einfach viel, viel schöner.

Eine Einladung zum Viertelstunden-Schreiben für alle Leisen:

Fünf Minuten Freewriting zu der Frage: „Wenn ich ganz ehrlich bin, würde ich sagen …. „

lyricfactory

Wir finden uns
in unserer Behutsamkeit
dem Leben gegenüber

Wir träumen uns
mit unserer Langsamkeit
vom Wahnsinn fort

Die Leisen haben eine Stimme

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Viertelstunden-Schreiben

Keine Zeit – hält Euch dieser Gedanke auch oft vom Schreiben ab – obwohl der kleine Eintrag ins Journal doch stets so gut tut?
Damit es Euch (und mir) leichter fällt, die Tage mit ein paar heilsamen Zeilen zu beginnen, gibt es ab jetzt in diesem Blog jede Woche kleine Anregungen für das Viertelstunden-Schreiben. MEHR

 

 

Dreck zu Gold machen

Wenn die Temperaturen steigen, wachen auch unsere fünf bis sieben Sinne auf. Wir nehmen die Welt mit anderen Augen wahr: die Winterdepression wird beim Frühjahrsputz einfach mit weggewischt und Ideen sprießen wie die Osterglocken vor dem Fenster.

Zeit für eine Schreibeinladung, mit der wir diese besonderen Momente im Jahr – Momente, in denen wir uns transformieren – festhalten können.  Darum erinnere ich heute an die Technik der Momentaufnahmen. Das ist eine der 18 Methoden, die Schreibtherapeutin Kathleen Adams in ihr großartiges „Journal to the Self“-Konzept aufgenommen hat.

In den nächsten Wochen werde ich immer mal wieder die ein oder andere Methode vorstellen, mit denen Ihr Eurer Tagebuch aufpeppen könnt und vielleicht wieder mehr Spaß am täglichen Schreiben findet. Zunächst aber … MEHR