Archiv der Kategorie: Schreiben hilft

Viertelstunden-Schreiben

Keine Zeit – hält Euch dieser Gedanke auch oft vom Schreiben ab – obwohl der kleine Eintrag ins Journal doch stets so gut tut?
Damit es Euch (und mir) leichter fällt, die Tage mit ein paar heilsamen Zeilen zu beginnen, gibt es ab jetzt in diesem Blog jede Woche kleine Anregungen für das Viertelstunden-Schreiben. MEHR

 

 

Die wichtigste Beziehung unseres Lebens

Ich schlage morgens um sieben meine Augen auf und sehe das Meer. Stahlblau und sonnenbeschienen liegt es vor mir, der Sandstrand erstreckt sich bis kurz unterhalb meines Fensters, eine Promenade von zehn Metern Breite trennt mich von ihm.

Die Wellen rauschen leise, unaufdringlich, ich schließe die Augen, atme, meine Brust weitet sich, expandiert, Rippen und Zwerchfell werden von der Salzluft gestreichelt. Meine Stirnhöhle ist frei. Ultimatives Glück.

Wenn ich zum zweiten Mal die Augen öffne, bin ich zuhause, in meinem Zimmer in Bremen. Mein Tagwerk wartet. Ich will zurück ans Meer.

Dort war ich für vier Tage, um Schreiben für die Seele, einen Workshop, zu geben. Wir schrieben zu siebt, im graublau gestrichenen Trauzimmer an der Kurpromenade: ein dunkler Holzboden unter uns, gediegener schwerer Tisch unter unseren Heften. Wenn wir den Kopf heben, sehen wir das Wasser draußen, die Sonne und Möwen.

An dem Tisch, an dem wir schreiben, sitzen sonst die Pärchen …. MEHR

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

… da habe ich ja als Schreiberin so meine Zweifel. Auf Wangerooge, im jüngsten Wünsche in Worte fassen-Workshop, haben mich die Bilder der Kursteilnehmer allerdings wieder überzeugt: Soviel Neujahrs-Glück, Kraft, Energie, Vertrauen, Zielstrebigkeit, Bereitschaft und Offenheit strahlte aus den Collagen, dass ich sicher bin: Für die Frauen und den Mann, die hier Visionen und Ziele für 2018 entwarfen, wird es ein spannendes und erfülltes, ja, einglückliches Jahr werden. 

Das Antlitz der schönen Insel unterstützte unsere gemeinsame Arbeit. Wangerooge ist ein idealer Ort, um …. Weiterlesen auf meiner neuen Website www.schreiben-zur-selbsthilfe.com

Geschichten, die das Leben schreibt

Thanksgiving ist zwar schon ein paar Wochen vorbei, aber etwas von der verordneten Dankbarkeit ist in mir geblieben. Tatsächlich will ich diese Gewohnheit weiter üben, und nach und nach meine alten Prägungen überschreiben. Ihr wisst ja: Unsere Gene lassen uns Segnungen schnell vergessen, während sie negative Erlebnisse in uns einbrennen wie Brandzeichen auf Pferderücken. Damit wir die Stelle im Wald auch ja meiden, an der wir ganz, ganz, ganz früher beinahe vom Säbelzahntiger zerfleischt worden wären.

Heute habe ich daher zuerst die Todesanzeigen gelesen. Ja, es ist soweit, Frau Schreiber blättert die Tageszeitung von hinten durch, wie meine schon immer achtzigjährige Großtante mit dem Dutt es tat, aus dem – einmal aufgedröselt – weiße Haare bis zum Po herunterflossen. Und diese Erinnerung an die fließenden Haare hat sich eingemeißelt, da ich hinter dem Haarschleier auch einen unbedeckten Po erblickte, als ich achtjährig in ihr Badezimmer stürmte. Für meine Großtante eine Katastrophe. Wir haben dann über Scham gesprochen und ich entdeckte, wie schnell sich eine Kluft zwischen Generationen auftut und wieder schließen kann.

Aber das ist eine andere Geschichte. Geschichten – das ist das Stichwort, auf das ich eigentlich hinaus wollte. „Er begann als Geschäftspartner und wir nehmen jetzt Abschied als Freunde. Ciao“, schreibt ein Giovanni heute in der Todesanzeige über einen Klaus. Er hat ein Bild von einem Segelboot in die Traueranzeige gesetzt. Ich spüre den berühmten Kloß in meinem Hals – nicht nur, weil ich seit gestern linksseitig dicke Mandeln habe. Meine Neugier ist geweckt: Was haben Giovanni und Klaus miteinander erlebt? War Klaus etwa einst ein schnittiger Ex-Matrose, mit blondem Schopf und Seitenscheitel, als er zu Giovanni in die Pizzeria kam, vorzüglich aß und sagte: In diesem Lokal sollte ganz Bremen essen! Ich will Deine Pizza berühmt machen“? Und hat sich dann eine Partnerschaft entwickelt und daraus eine Restaurantkette, mit einem Namen und Gerichten, die heute in aller Munde sind? Nun, so war die Geschichte sicher nicht.

Aber das ist es, was passiert, wenn ich mich anrühren lasse von den Danksagungen der Menschen, die miteinander gelebt haben und bis in den Tod verbunden sind.

„Es wird aussehen, als wäre ich tot, und das wird nicht wahr sein. Und wenn Du Dich getröstet hast wirst du froh sein mich gekannt zu haben … Und Deine Freunde werden sehr erstaunt sein, wenn sie sehen, dass du den Himmel anblickst und lachst.“ Antoine de Saint-Exupéry

Schon beim Lesen dieses Spruchs, der im Weserkurier vertikal neben den Traueranzeigen platziert ist, weiß ich: Diesen Vers möchte ich ans Ende meines Memoirs stellen. Denn beim Schreiben über Leerstellen meiner Kindheit hatte ich meine Mutter neu lieben gelernt, so dass ich dieses Jahr in den Himmel schauen kann und ihr zulächle. Und sie lächelt zurück.

Es sind zu viele Geschichten in der Tageszeitung, als dass ich Euch in diesem Blog alle meine Interpretationen erzählen könnte. „Die Kugel rollt nicht mehr. Wir trauern um unseren Freund … . Deine … Traumtänzer“ oder „Warum? Mit dem Fahrrad über die Alpen war Dein größter Traum. Am Morgen noch viele Worte von Dir …“ und „Papi, ich danke Dir für Alles, was Du mir geschenkt, gegeben und mich gelehrt hast. Ich hoffe, es ist schön bei Dir, wo immer Du jetzt auch bist. …“.

Und dann bedanken sich da etwa Eltern, die schon zwei Kinder haben, für zwei weitere: „Manchmal beschenkt einen das Leben reicher, als man es sich erträumt: Lasse Christopher (2.600 g) und Michel Henry (2460 g).“

Ein besseres Schlusswort kann es für heute ja wohl nicht geben. Eure Birgit Nur noch dies: Wer eigene Geschichten in wohltuender Runde schreiben will, ist herzlich eingeladen zum monatlichen Schreibsalon am Mittwoch, 17.1.17, 18.30 bis 21.30, in der Manufaktur am Emma-Platz, Straßenbahnlinie 6, neben Knigge.

Endlich wieder Regen, Nebel, Glücklich-sein

Mag sein, dass ich da etwas komisch bin. Während die Menschen um mich her klagen, dass ihnen der Bremer Sommer zu kurz war („…. und viel zu kalt, und eigentlich war das ja mal wieder gar nix“) und andere sich beim Herbsturlaub im Süden noch einmal für die dunkle Jahreszeit wärmen („Sonne, Licht, sonst werde ich im November depressiv“), kuschele ich mich in meinen Sessel, mache die Kerzen vor dem Fenster an – und bin glücklich.

„Im Sommer sind alle immer so rastlos“, sagte vorgestern die Frau vom Secondhandladen. „Ich mag die Menschen gelassener lieber“. Das fand ich sehr weise.
Und außerdem sprach sie an, was ich mir vom restlichen Oktober und November erhoffe. Nämlich: selbst etwas gelassener zu werden, etwas langsamer, mich mehr zu besinnen und einzukehren – in gemütlichen Gaststuben ebenso wie in meinem Wohnzimmer und vor allem bei mir selbst.

Kurz: Ich freue mich auf mehr Quality Time für mich. Und die finde ich vor allem beim  Schreiben. So wie jetzt in diesem Blog. Oder beim Date mit mir selbst am Morgen, wenn ich aufschreibe, was ich mir von diesem Tag erhoffe.

Im Schreibtreff mit Gleichgesinnten finde ich dann endlich die Muße, mein Memoir weiter zu überarbeiten. Im Workshop zu meinem Schreibratgeber, nehmen wir uns endlich wieder Zeit, in die eigenen Geschichten einzutauchen – und sie in Seelenstärkung zu verwandeln.

Und plötzlich, so meine berechtigte Hoffnung, finde ich zurück auf meine Spur , die ich in der Sommer-Hektik nur noch aus dem Augenwinkel wahrnehmen konnte. Sie wird bald wieder ein breiter Pfad werden, auf dem es sich – in Regenmantel und Stiefeln – prima durch den Herbst stapfen lässt.

Und mit Glück bleiben dabei auch ein paar sichtbare Spuren zurück …

Ich lade Euch herzlich ein, mit mir schreibend Einkehr zu halten (mehr):

Am 29.10.17 beim „Stärkenden Schreiben über die Vergangenheit“, dem Kurs zum Buch, im Zentrum für Bindungsenergetik, Fedelhören 106, 28203 Bremen; 10 bis 14 Uhr;
Am 11.11. zum monatlichen freien Schreibtreff in der Stadtbibliothek, 10 bis 13 Uhr;
Am 29.11. zum monatlichen Schreibsalon in der Bgm.-Schoene-Str. 12, 28213 Bremen, 18.30 bis 21.30 Uhr.

Oder auf Wangerooge:
Vom 5. bis 7.1.2018, um Eure Wünsche in Worte und Visionen in machbare Ziele zu verwandeln. Atemberaubender Meerblick, Sand, Wind und Wellen inklusive.
Vom 9. bis 11.3.18 zum Schreiben für die Seele – ebenfalls auf W’ooge und mit Panorama-Aussicht auf die Nordsee.

Und was kommt nun?

… so lautet der Titel meines aktuellen Artikels in Psychologie Heute über die weiblichen Babyboomer, also Frauen zwischen 55 und 65, die in den nächsten Jahren das Alter revolutionieren könnten. Ob sie es tatsächlich tun, wie vor allem amerikanische Soziologinnen vermuten, müssen wir natürlich abwarten.

In der Vergangenheit haben Babyboomer mit dafür gesorgt, dass sich die Geschlechterrollen verändern, Frauen in Führungsetagen kommen und Mutterschaft und Beruf sich nicht mehr ausschließen. Herausforderungen gibt es allerdings noch genug. Vor allem das Alter fordert Anpassungen und Veränderungen und bringt Verluste. Doch dafür sind viele Frauen gut gerüstet. Mehr dazu ab S. 28, in Psychologie Heute 6/17 …

Vorbilder dafür, wie auch die Jahre jenseits der 60 und 70 spannend, herausfordernd und glücklich sein können, durfte ich vor kurzem in Denver kennenlernen. Für meine Weiterbildung zum „Journal to the Self-Instructor“ (siehe vorherigen Blogbeitrag) war ich im „Loretto Spiritual Center“ einquartiert, einem katholisch geführten Tagungszentrum. Dessen zwölf Leiterinnen bilden eine „Sisterhood“, sie sind im Durchschnitt etwa 85 Jahre alt, und führen nicht nur das Zentrum, sondern verwalten auch die angrenzende Schule für schwer erziehbare Kinder.

Der lebendige Kontrast im „Loretto Center“ – hier die gottesfürchtigen Seniorinnen, dort die rebellischen Kids – passt zur Lebenshaltung der Schwestern, auch jetzt im höheren Alter: Zugewandt, lebensfroh, neugierig und an der Zukunft interessiert – und zwar nicht nur an der eigenen. Im nächsten Jahr wird das Zentrum aufgelöst, die Ordensschwestern über das ganze Land in neue Orden verteilt. Sie sehen diesem letzten großen Aufbruch wehmütig, aber auch mit Vorfreude entgegen, sagen sie.

Neugier und Bereitschaft zur Veränderung sind Ingredienzen für gesundes Altern, aber eben auch dafür, dass jemand für andere Menschen zugänglich bleibt, mitten im Leben steht und den Humor nicht verliert. Ich habe in den Ordensschwestern Vorbilder für das eigene Altern gefunden.

Unter anderem in einer Schwester, der ich vor dem köstlichen Kuchenbufett im Speisesaal beichtete: „Kuchen essen – ganz gemütlich mit einer leckeren Tasse Kaffee dazu – gehört zu meinen Lastern“.

„Laster?“, sie war entrüstet: „Im Gegenteil. Wir lieben gutes Essen hier. Und Kuchen, hmm, das ist ‚acquired passion’“.

Und das, liebe Schreiberinnen und Schreiber, wünsche ich uns für die nächsten Lebenjahre: Leidenschaft fürs Leben, egal wie alt wir sind. Selbst wenn wir sie uns manchmal erst erarbeiten müssen.

Noch eine Erinnerung: Morgen, 23.5., 18 Uhr, ist meine Lesung von „Schreiben zur Selbsthilfe – Worte finden – Glück erleben – gesund sein“ (Springer 2017), in der Stadtbibliothek Bremen. Ihr seid herzlich willkommen. Und hier ein Link zum Artikel, der heute dazu im Weserkurier erschienen ist: https://www.weser-kurier.de/bremen/stadtteile/stadtteile-bremen-mitte_artikel,-ich-bin-so-etwas-wie-eine-wortesammlerin-_arid,1602314.html#